Marina Abramović Portrait with White Lamb Aus der Serie Back to Simplicity Farbpigmentdruck 2010 © Marina Abramović, VG Bild - Kunst, Bonn 2021 Courtesy of the Marina Abramović Archive

Tübingen

MARINA ABRAMOVIĆ
JENES SELBST / UNSER SELBST
24.7.2021 - 13.2.2022 

MARINA ABRAMOVIĆ fasziniert mit Performances, Filmen und zuletzt dem Opernprojekt 7 Deaths of Maria Callas weltweit ihr Publikum. Weniger bekannt ist, dass die Pionierin der PERFORMANCE ART in ihrer Anfangszeit in den 1970er Jahren bis ins Jahr 2000 auch in Tübingen, in der Galerie Ingrid Dacić, zu Gast war. Die Ausstellung der Kunsthalle Tübingen widmet sich jetzt erstmals den spirituellen Aspekten im Werk von Marina Abramović.

An die Tradition der europäischen Mystik anknüpfend, hat Marina Abramović in den letzten fünf Jahrzehnten ihres Schaffens einen undogmatischen, individuellen Zugang zum Transzendenten entwickelt, der die religiösen Traditionen um schamanistische, alchemistische und buddhistische Elemente erweiterte. Die von Nicole Fritz in enger Zusammenarbeit mit Marina Abramović und ihrem Studio kuratierte Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen widmet sich erstmals den spirituellen Aspekten im Werk der Künstlerin und folgt ihrem Rite de Passage – ihrer Reise ins eigene Innere – an ausgewählten Hauptwerken. Am Ende ihrer Entwicklung steht die im wahrsten Sinne des Wortes selbstbewusste Künstlerin, engagierte Impulsgeberin und charismatische Performance-Lehrerin Marina Abramović, die ihre Erfahrungen in Workshops und dem von ihr gegründeten Marina Abramović Institute (MAI) weitergibt, um das Publikum in kollektiven Übungen über die Kunst wieder mit sich selbst in Kontakt zu bringen.

Kuratiert von Nicole Fritz in enger Zusammenarbeit mit Marina Abramović und ihrem Studio

www.kunsthalle-tuebingen.de

Lynette Yiadom-Boakye Complication 2013 Private Sammlung © Courtesy Lynette Yiadom-Boakye

Düsseldorf

Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht
16.10.2021 – 13.2.2022

Ab Oktober zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in K20 die erste umfangreiche Ausstellung „Lynette Yiadom-Boakye. Fliegen im Verbund mit der Nacht“ der Malerin in Deutschland. Diese Schau führt beispielhaft vor Au- gen, welche Kraft Malerei heute haben kann.  Lynette Yiadom-Boakye (*1977) ist Malerin. Sie erschafft fiktive Figuren, die sich in rätsel- haften, oft abstrakt oder zumindest unbestimmt bleibenden Räumen bewegen. Die Zeit scheint stillgelegt: Menschen ruhen, gehen, schauen, tanzen, sprechen, lachen und unter- halten sich, so wie es Menschen tun, und immer getan haben. Ihre figurativen Gemälde und Zeichnungen speisen sich aus verschiedenen Quellen: aus dem Studium des Lebens, aus Fotografien und aus Sammlungen gefundener Bilder. Bei ihrer Arbeit in Öl auf Lein- wand oder grobem Leinen konzentriert sie sich vor allem auf die Entwicklung einer Spra- che der Malerei, auf Zeichnung, Farbe, Maßstab und Komposition.

Daneben schreibt Lynette Yiadom-Boakye Prosa und Gedichte. Schreiben und Malen sind für sie voneinander getrennte Tätigkeiten. Als unterschiedliche Formen der Kreativität sind sie gleichwohl miteinander verflochten, beide durchzogen von Ideen der Fiktion, Erfindung, Rhythmus und von unendlichen Möglichkeiten. Für Lynette Yiadom-Boakye ist Malerei, ebenso wie das Schreiben, ein Medium der Kommunikation und des Verstehens, das über die Zeit und Orte hinausgeht.

K20 Kuntsammlung Nordrhein-Westfalen | www.kunstsammlung.de

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit rotem Blütenkranz und Kette, 1906/07, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung, © Landesmuseum Hannover - ARTOTHEK

Frankfurt

Paula Modersohn-Becker
8.10.2021 – 6.2.2022

Keine andere deutsche Künstlerin der Klassischen Moderne hat in der öffentlichen Wahrnehmung einen solch legendären Status erreicht wie Paula Modersohn-Becker (1876–1907). In ihrem kurzen Leben schuf sie ein umfassendes und facettenreiches Œuvre, das über 100 Jahre zur Projektionsfläche wurde und bis heute fasziniert. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet sich vom 8. Oktober 2021 bis 6. Februar 2022 dem Gesamtwerk Paula Modersohn-Beckers und zeigt in einer umfassenden Retrospektive, wie entschieden sie sich über gesellschaftliche und künstlerische Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzte und zentrale Tendenzen der Moderne vorwegnahm. Die Ausstellung versammelt in Frankfurt 116 ihrer Gemälde und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen, darunter Hauptwerke, die heute als Ikonen der Kunstgeschichte gelten, etwa das Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag (1906). Präsentiert wird ein aktueller Blick auf das Werk dieser frühen Vertreterin der Avantgarde. In der nach prägnanten Serien und Bildmotiven gegliederten Präsentation stehen insbesondere auch Modersohn-Beckers außergewöhnlicher Malduktus und ihre künstlerischen Methoden im Fokus, die zu einer vielfältigen Rezeption ihres Schaffens beitrugen.

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT | www.schirn.de

© Photo Ari Marcopoulos

Basel (CH)

KARA WALKER 
A BLACK HOLE IS EVERYTHING A STAR LONGS TO BE 
5.6. – 26.9.2021

Zum ersten Mal zeigt Kara Walker (* 1969) über 600 Zeichnungen, die sie in den letzten 28 Jahren im Atelier unter Verschluss gehalten hat. In der ersten umfassenden Soloausstellung auf Schweizer Boden präsentiert das Kupferstichkabinett diesen bisher nie gezeigten Korpus zusammen mit brandneuen Arbeiten der weltbekannten Amerikanerin.

1994 sorgte Walker mit wandfüllenden Scherenschnitten erstmals für Furore. Heute gehört sie zu den profiliertesten Positionen der USA. In provokativen und obszönen Szenen, die zugleich technisch raffiniert und ästhetisch ansprechend gemacht sind, nimmt sie Rassismus, Geschlecht, Sexualität und Gewalt in den Fokus – ohne Rücksicht auf politische Korrektheit. Dabei bezieht sie sich auf die Geschichte der USA von der Sklaverei bis zu Barack Obamas Präsidentschaft. Walker bietet keine Versöhnung mit der Vergangenheit an, sondern rüttelt an Geschichtsbildern und Mythen. Schonungslos macht sie bis heute anhaltende Konflikte sichtbar und thematisiert damit die Entstehung von kollektiver sowie der eigenen Identität.

Dass Walker auf Papier arbeitet, ist zentral. Skizzen und Notizen suggerieren Intimität und authentische sowie aktuelle Aussagen. Zeichnung und Wort sind ideale Mittel der Satire und Karikatur, des Pamphlets und der Subversion. In ihrer Vielfalt zeigen die Blätter, wie schnell und souverän Kara Walker Figuren erfindet, Formen unerwartet verwandelt und Narrative in ihrer Vieldeutigkeit verharren lässt.

Die Fülle an unterschiedlichen Zeichnungen zeigt deutlich, dass sich Walker verschiedenster Stile bedient. Das können die Helldunkel-Kontraste von Goya sein, die Linienführung eines James Ensor oder die karikaturenhafte Handschrift von Hogarth. In neuesten Werken kommen altmeisterliche Weisshöhungen auf getönten Papieren und gar farbige Kreiden prominent vor. Der Bezug auf ältere Kunst bringt die Frage nach Vorbildern ins Spiel und danach, wie sich eine afroamerikanische Künstlerin in die Kunstgeschichte einschreibt.

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Basel in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt und dem De Pont Museum, Tilburg

www.kunstmuseumbasel.ch

Amedeo Modigliani Sitzender Akt (Detail), 1917 Öl auf Leinwand Royal Museum of Fine Arts Antwerp, www.artinflanders.be Foto: Rik Klein Gotink

Wien

Modigliani
Revolution des Primitivismus
17.9.2021 – 9.1.2022

Er war zeitlebens von Armut, Schicksalsschlägen, Drogenexzessen und schwerer Krankheit gezeichnet, konnte nur mit seiner Kunst für Miete und das Nötigste zum Überleben aufkommen. Heute zählt der 1920 im Alter von nur 35 Jahren verstorbene Künstler aus Livorno, Amedeo Modigliani, zu den teuersten Künstlern der Geschichte, dessen Bilder dreistellige Millionenbeträge erzielen. Die Wiener Albertina würdigt Amedeo Modigliani (1884-1920) anlässlich seines 100. Todestages mit einer spektakulären, ca. 130 Objekte aus drei Kontinenten umfassenden Retrospektive. Die ursprünglich für das Jubiläumsjahr 2020 geplante Schau wurde aufgrund der Pandemie verschoben: Nun wird dieser faszinierende, unverkennbare Künstler erstmals auch in Österreich gezeigt. Die Ausstellung vereint Hauptwerke aus den renommiertesten Museen und Privatsammlungen von den USA bis Singapur, von Großbritannien bis Russland mit größeren Leihgaben aus dem Musée Picasso-Paris und der Sammlung Jonas Netter, der ein großer Förderer Modiglianis zu seinen Lebzeiten war. Sie wird den Künstler innerhalb eines einzigartigen Kreises von Avantgardemalern verorten.

Albertina | www.albertina.at

Marc Chagall, vorbereitende Gouache für die Lithografie Sirene und Fisch (Nizza und die Côte d'Azur, CS 28), 1956 - 1960, Gouache und Pastell auf Papier, Privatbesitz Marc Chagall © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Lindau

 „Marc Chagall – Paradiesische Gärten“
bis  31.10.2021

Seine Bildersprache ist unverwechselbar, die Schönheit seiner Farben ist geradezu magisch: Der Malerpoet Marc Chagall (1887 – 1985) hat die Kunst des 20. Jahrhunderts als einer der ganz großen Meister der Moderne geprägt. Unter dem Titel „Marc Chagall – Paradiesische Gärten“ zeigt das Lindauer Kunstmuseum nun von Anfang Mai bis Ende Oktober 2021 rund 70 Werke des Ausnahmekünstlers.  Die Lindauer Ausstellung zeigt Chagall nicht nur als wunderbaren Maler farbenprächtiger Blumenmotive, sondern vor allem als großartigen Geschichtenerzähler, nicht umsonst wird er der Malerpoet genannt. Chagall wird inspiriert und mitgerissen von der Sehnsucht des Menschen nach dem Paradies – nach Frieden, Liebe, Geborgenheit und Ewigkeit. „Der Suchende wird entdecken, dass Chagalls Bilder in einer tiefen Religiosität wurzeln. Sie haben in der Tat erlösende Kraft, sie sind gemalte Hoffnung“, verspricht Prof. Dr. Roland Doschka, der Kurator der Ausstellung. Die Lindauer Präsentation, die auch aus Anlass seines 80. Geburtstages gezeigt wird, ist seine sechste internationale Chagall-Ausstellung. Sein Fazit: „Es ist die schönste und interessanteste Chagall-Ausstellung, die ich kuratiert habe.“ Der Kurator hat zudem in Lindau auf der Gartenschau, die ebenfalls in Kürze ihre Pforten öffnet, einen Garten im Stil Chagalls gestaltet.

Kunstmuseum Lindau www.kultur-lindau.de/museum

Ernst Ludwig Kirchner, Drei Bauern_1936-37 © Privatsammlung Schweiz

Bietigheim-Bissingen

Ernst Ludwig Kirchner
Tierleben in den Davoser Alpen
26.6. – 3.10.2021

Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) ist als Mitbegründer der Künstlergruppe »Die Brücke« einer der bekanntesten Expressionisten der Klassischen Moderne. Gezeichnet vom Ersten Weltkrieg kam er 1917 erstmals nach Davos in die Schweizer Alpen, wo er sich kurz darauf dauerhaft niederließ und bis zu seinem Tod bleiben sollte. Tiere und Hirten zählten zu seinen ersten Motiven: Er fotografierte, zeichnete, malte und schnitt sie in Holz, außerdem wurden sie ihm zu Vorlagen für Textilarbeiten. Seine Landschaftspanoramen und seine Darstellungen von Nutztieren mit ihren Hirten und Bauern basierten stets auf genauer Beobachtung. Kühe auf der Stafelalp, Berghänge voller Schafe und Ziegen inmitten hochalpiner Landschaft – Kirchner zeigt sie uns als Teil einer Herde und als Individuen, in Ruhe und vor allem in Bewegung. Durch eine expressive Malweise und Farbigkeit verlieh Kirchner ihnen eine große Eindringlichkeit. Er gilt damit als ein großer Erneuerer der Malerei der Alpen. Die Tierdarstellungen Kirchners in den versammelten Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen, Druckgrafiken, Stickereien und Skulpturen waren noch nie Thema einer eigenen Ausstellung. Auch Kirchners reger Austausch mit Künstlerkollegen wie Philipp Bauknecht, Jan Wiegers, Hermann Scherer und Albert Müller wird anhand ausgewählter Werke vorgestellt.

www.galerie.bietigheim-bissingen.de

LOTTE LASERSTEIN, SELBSTPORTRÄT MIT WEISSEM KRAGEN, UM 1923 Öl auf Pappe , 32 x 24 cm, Privatbesitz Deutschland © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Foto: © Lotte-Laserstein-Archiv Krausse, Berlin / Dietmar Katz, Berlin

Riehen (CH)

CLOSE-UP
Berthe Morisot, Mary Cassatt, Paula Modersohn-Becker, Lotte Laserstein, Frida Kahlo, Alice Neel, Marlene Dumas, Cindy Sherman, Elizabeth Peyton
19.9.2021 – 2.1.2022

Die Ausstellung CLOSE-UP, welche ab Herbst in der Fondation Beyeler zu sehen sein wird, zeigt Werke von neun Künstlerinnen, deren Schaffen herausragende Positionen innerhalb der Geschichte der Moderne seit 1870 bis heute darstellen. Es ist der Zeitraum, zu dessen Beginn es Künstlerinnen in Europa und Amerika erstmals möglich wurde, auf breiter Basis professionell tätig zu sein.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Künstlerinnen, denen die Konzentration auf die Darstellung von Menschen, auf Porträts und Selbstporträts gemeinsam ist. Die Französin Berthe Morisot und die Amerikanerin Mary Cassatt, beide aktiv in den 1870er und 1880er Jahren in Paris, der Metropole des damaligen aktuellen Kunstschaffens; die Deutsche Paula Modersohn-Becker um 1900 bis 1907 zwischen der norddeutschen Provinz Worpswede und der Weltstadt Paris; die Deutsche Lotte Laserstein um 1925 bis 1933 im grossstädtischen Berlin der Weimarer Republik; die Mexikanerin Frida Kahlo seit Ende der 1920er Jahre bis um 1950 in Mexiko City; die Amerikanerin Alice Neel seit Ende der 1920er bis Anfang der 1980er Jahre, zuerst in Kuba, dann in Manhattan, von Greenwich Village über Spanish Harlem bis zur Upper West Side; Marlene Dumas, geboren in Südafrika, aufgewachsen in der Hochphase der Apartheid, seit 1976 in Amsterdam; zur gleichen Zeit die Amerikanerin Cindy Sherman in New York, dem von einer neuen Generation geprägten westlichen Brennpunkt zeitgenössischer Kunst; schliesslich die Amerikanerin Elizabeth Peyton seit den 1990er Jahren, zwischen New York und Westeuropa.

Das Interesse der Ausstellung gilt dem spezifischen Blick der Künstlerinnen auf ihre eigene Umgebung, der in den Porträts und Bildern ihrer selbst und von anderen zum Ausdruck kommt. In der Zusammenschau lässt sich erleben, wie sich der Blick der Künstlerinnen auf ihr Gegenüber zwischen 1870 und heute wandelt und was ihn auszeichnet.

Fondation Beyeler | www.fondationbeyeler.ch

Giovanni Giacometti, 1868-1933, Giovanni de Vöja, 1908, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Foto: SIK-ISEA, Zürich

Winterthur (CH)

Expressionismus Schweiz
10.7.2021 – 16.1.2022 | Reinhart am Stadtgarten


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in der Schweiz eine wilde, künstlerische Avantgarde, die sich einer radikal neuen Bildsprache bediente. Wie in Deutschland und Frankreich, wo Künstlerinnen und Künstler mit Expressionismus, Kubismus und Fauvismus neue Experimente wagten, griffen auch Schweizerinnen und Schweizer zu einer neuen Formensprache und ungehemmter Farbigkeit. Nicht mehr das Abbild der realen Welt war das Ziel, sondern das Innere, Subjektive zum Ausdruck zu bringen.

Angesichts der historischen Umwälzungen des Ersten Weltkriegs, des Landesstreiks und der russischen Revolution schienen die althergebrachten bürgerlichen Normen versagt zu haben – eine frische und radikale Kunst war hierauf die Antwort. In Künstlergruppen vereint und gleichzeitig stets als Individuen agierend, experimentierten die Künstlerinnen und Künstler mit Farben und Formen. Nebst sozialkritischen und politischen Inhalten standen dabei aber auch gutschweizerisch die unverfänglichen Gattungen des Stilllebens und der Landschaft im Zentrum.

Zürich zog als pulsierende Grossstadt viele aufstrebende Kräfte an und Basel wurde in den 20er Jahren mit der Gruppe Rot-Blau zu einem Zentrum des Expressionismus. Die Westschweiz hatte mit Hans Berger und Alice Bailly zwar nur wenige, dafür umso gewichtigere Vertreterinnen und Vertreter der Avantgarde. Das Tessin wurde zu einem Rückzugsort nicht nur für viele Schweizer Kunstschaffende, die dort dem bürgerlichen Mief der Städte zu entfliehen suchten, sondern auch für internationale Künstlerinnen und Künstler, unter ihnen Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin. Diese unterschiedlichen Ausprägungen und die Vielzahl der künstlerischen Positionen bildet die Winterthurer Ausstellung repräsentativ ab – ein Fest der Farben und Formen.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Katalog. Im Anschluss wird sie in abgeänderter Form in der Kunsthalle Vogelmann der Städtischen Museen Heilbronn (D) zu sehen sein.

Kunst Museum Winterthur | www.kmw.ch

Édouard Manet, Bildnis des Zacharie Astruc, 1866 Öl auf Leinwand, 90,5 x 116 cm Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Bremen

Manet und Astruc. Künstlerfreunde
23.10.2021 – 27.2.2022

Der weltberühmte Maler Édouard Manet gilt als einer der Väter des Impressionismus, der malende Kunstkritiker Zacharie Astruc ist heute hingegen weitgehend unbekannt. Ihre ungewöhnliche Freundschaft steht nun erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung. „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (ab 23. Oktober 2021) veranschaulicht darüber hinaus mit Werken von Zeitgenossen wie Claude Monet, Henri Fantin-Latour und Pierre-Auguste Renoir den damaligen künstlerischen Kontext in Paris. Damit setzt die Kunsthalle Bremen die Reihe großer Ausstellungen zu französischen Malern des 19. Jahrhunderts wie van Gogh, Claude Monet, Gustave Caillebotte und Émile Bernard fort.

Ausgangspunkt der Ausstellung „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (23. Oktober 2021 bis 27. Februar 2022) ist eines der bedeutendsten Meisterwerke aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen: Das „Bildnis des Zacharie Astruc“ von Édouard Manet, das mehr als ein Porträt ist. Es ist ein Freundschaftsbild und ein ästhetisches Manifest. Das Bild versammelt alle Themen, mit denen sich Manet und Astruc intensiv beschäftigt haben, insbesondere Spanien und die Inspiration durch Diego Velázquez und Francisco de Goya, aber auch die japanische Kunst.

Die Ausstellung untersucht eben jene Themen und präsentiert eindrucksvolle, weltberühmte Meisterwerke Manets zusammen mit nahezu unbekannten Aquarellen und Skulpturen von Astruc. Erstmals wird der Dialog zwischen dem einzigartigen Maler Manet und der facettenreichen Persönlichkeit Zacharie Astruc verfolgt. Bis heute kennt man Astruc vor allem als Autor. Er war der erste Kritiker, der Manets Skandalbild „Das Frühstück im Grünen“ verteidigte. In Bremen wird er erstmals als Maler und Bildhauer vorgestellt.

Kunsthalle Bremen | www.kunsthalle-bremen.de

Emil Nolde: Zwei am Meeresstrand, 1903, Nolde Stiftung Seebüll, Öl auf Leinwand, 73,5 x 88,5 cm, Fotocredit: Fotowerkstatt Elke Walford, Hamburg, und Dirk Dunkelberg, Berlin Fotobesitz: Nolde Stiftung © Nolde Stiftung Seebüll

Hamburg

Nolde und der Norden
16.10.2021 – 23.1.2022

Wo liegen die Anfänge des weltbekannten, in seiner Heimat tief verwurzelten und wegen seiner Anhängerschaft zum Nationalsozialismus kritisch zu betrachtenden Künstlers Emil Nolde? Die Ausstellung Nolde und der Norden geht dieser Frage nach und beleuchtet die weitgehend unerforschten Arbeiten des Künstlers, die in seiner Zeit in Dänemark von 1900 bis 1902 entstanden sind. Die Schau deckt Motive und stilistische Elemente auf, die in den darauffolgenden Jahren charakteristisch für Nolde wurden. Erstmals wird der Einfluss der dänischen Künstlerinnen und Künstler auf Noldes Schaffen systematisch aufgezeigt. Rund 80 Werke Noldes stehen 25 Gemälden dänischer Künstlerinnen und Künstler der Zeit, wie Georg Achen, Anna Ancher, Vilhelm Hammershøi, Carl Holsøe, Peter Ilsted, Viggo Johansen, Peder Severin Krøyer, Julius Paulsen und Laurits Andersen Ring gegenüber.

Vom 16. Oktober 2021 bis 23. Januar 2022 zeigt das Bucerius Kunst Forum in Kooperation mit der Nolde Stiftung Seebüll eine umfangreiche Schau mit Werken Emil Noldes, die größtenteils zwischen 1900 und 1902 entstanden sind und die durch die dänische Kunst der Zeit und durch die Sagenwelt des Nordens inspiriert wurden. Die Ausstellung, die auf einer Idee von Magdalena M. Moeller basiert, weist in der Gegenüberstellung von Noldes Werke mit Arbeiten dänischer Künstlerinnen und Künstler Parallelen in Motivik und Stil auf. Sie zeigt, wie prägend diese Werke für Emil Nolde waren und sogar bis in sein Spätwerk hinein Spuren hinterließen. Die dänische Kunst um die Jahrhundertwende war berühmt für Interieurs mit weiblichen Rückenfiguren und seitlich einfallendem Licht, stimmungsvolle Landschaften mit dem besonderen Licht des Nordens und Figurendarstellungen mit symbolistischem Gehalt. Nolde griff diese Motive während seines Aufenthalts in Dänemark auf. Zudem beeinflusste ihn die Sagenwelt Skandinaviens zu frei geschöpften Bildideen in der Welt des Fantastischen. Vor diesem Hintergrund gliedert sich die Ausstellung in vier thematische Kapitel: Menschenbilder, Interieur, Landschaft, und Fantastik, die jeweils chronologisch angelegt sind.

Bucerius Kunst Forum | www.buceriuskunstforum.de

Pablo Picasso, Kopf einer lesenden Frau, 1953 Museum Ludwig, Köln © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

Köln

Der geteilte Picasso
Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR
25.9.2021 – 30.1.2022

Was verbinden wir mit Pablo Picasso? Und was haben die Deutschen der Nachkriegszeit mit ihm verbunden, als sein Ruhm auf dem Höhepunkt war? Weitaus mehr als wir: Das ist der Hauptgedanke dieser Ausstellung, die an eine vergessene Breite, Spannung und Produktivität der Aneignung erinnert. Nicht nur um den Künstler geht es hier, sondern um sein Publikum, das sich im kapitalistischen Westen und im sozialistischen Osten Picassos Kunst denkbar verschieden zurechtlegte. Der deutsche Picasso war ein geteilter und zerteilter, aber die Teilung beflügelte auch die Mitteilung: Weil jeder diese Kunst befragte, hatte sie allen etwas zu sagen.

Die Ausstellung zeigt politische Werke, etwa das Gemälde Massaker in Korea (1951) aus dem Pariser Musée Picasso. Neben sie treten rund 150 Exponate, die Picassos Werk in seinen Wirkungen spiegeln: Ausstellungsansichten, Plakate und Kataloge, Presseberichte, Briefe, Akten, Filme und Fernsehberichte, außerdem ein Theatervorhang aus dem Berliner Ensemble, auf den Bertolt Brecht „die streitbare Friedenstaube meines Bruders Picasso“ malen ließ.

Museum Ludwig | www.museum-ludwig.de