Joseph Beuys Filzanzug, 1970, Filz genäht gestempelt, ca. 170 x 60 cm, Hrsg Galerie René Block Berlin, © VG Bild Kunst Bonn, 2021

Ulm / Heilbronn

Ein Woodstock der Ideen -
Joseph Beuys, Achberg und der deutsche Süden 
Ulmer Museum 23.1. - 4.7.2021 
Kunsthalle Vogelmann Heilbronn 17.7. - 31.10.2021

Anlässlich des 100. Geburtstagsjubiläums von Joseph Beuys (02.05.1921–23.01.1986) im Jahr 2021 widmen das Museum Ulm und die Kunsthalle Vogelmann Heilbronn (17. Juli bis 31. Oktober 2021) dem Jahrhundertkünstler ein gemeinsames Ausstellungsprojekt. Dabei steht Joseph Beuys nicht nur als herausragende Künstlerpersönlichkeit, sondern vornehmlich auch als politische Person im Fokus sowie seine besondere und spezielle Verbindung zum deutschen Südwesten. 

Joseph Beuys während des Aufbaus der Honigpumpe in Kassel, 1977, Schwarz-weiß-Fotografie, Archiv der Pumpenfabrik Wangen GmbH, mit freundlicher Unterstützung der Pumpenfabrik Wangen GmbH © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

So bezog Joseph Beuys den Filz für seine Objekte in Giengen an der Brenz und in Wangen im Allgäu wurde seine berühmte Honigpumpe für die documenta 6 hergestellt. Die Beziehung des Künstlers zum deutschen Süden wird insbesondere auch durch die erstmalige Auswertung des Joseph Beuys-Archivs des Autors, Verlegers und Publizisten Rainer Rappmann mit Briefen, Ton-, Bild- und Filmdokumenten in Zusammenhang mit dem Internationalen Kulturzentrum Achberg (INKA) intensiv beleuchtet. 

Das vor 50 Jahren gegründete INKA galt in den 1970er- und 80er-Jahren als ein wichtiges Zentrum des geistig-politischen Aufbruchs in Deutschland. Hier trat Joseph Beuys jährlich auf und arbeitete im Sinne seiner Idee der „Sozialen Plastik“. Im Rahmen seiner politischen Aktivitäten äußerte Joseph Beuys 1967 auch die These „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Er war der Überzeugung, dass jeder Mensch durch kreatives Handeln zur Entwicklung und Ausformung der Gesellschaft beitragen könne. Die Aufgabe der Kunst sei demnach, den Menschen die Entwicklung der Gesellschaft als einen kontinuierlich kreativen Prozess bewusst zu machen. Sein erweiterter Kunstbegriff ist auch besonders geeignet, um das 75- jährige Jubiläum der ersten freien Kommunalwahlen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu würdigen und aktuelle Fragen zur Relevanz der Demokratie mit einer jungen Generation wie etwa Fridays for Future oder Future2 zu diskutieren.

Joseph Beuys_Schlitten_1969_Filz, Gurte, Stablampe, Fett, Hrsg. Galerie Réne Block, Köln, Stiftung Sammlung Kurt Fried Museum Ulm © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Auch Joseph Beuys‘ Engagement bei den „Grünen“ steht für seine Verflechtungen zum süddeutschen Raum. Als die Partei „Die Grünen“ im Januar 1980 in Karlsruhe gegründet wurde, war der Künstler als Teilnehmer des Gründungsparteitages vor Ort. Auch wenn Joseph Beuys seine eigenen politischen Vorstellungen bei den „Grünen“ nicht durchsetzen konnte, so blieb er jedoch bis zu seinem Tod Mitglied der Partei. Ab 1980 gestaltete er Wahlplakate für diese, die in die Produktion seiner Editionen einflossen, die auch in der Ausstellung präsentiert werden.

Als Ausdruck seiner Idee der Demokratisierung von Kunst nehmen zudem auch seine vielfältigen und zahlreichen Multiples einen wesentlichen Raum in der Ausstellung ein. Neben seinen Editionen reflektieren gerade diese seine politischen Aktivitäten in Verbindung mit seinen künstlerischen Ideen. Den Multiples schrieb er sogar eine politische Funktion ein. Die in mehrfacher Auflage erscheinenden Kunstobjekte machten die „Kommunikation durch Wiederholung“ möglich. Sie entsprachen seiner Vorstellung des Aussendens und Multiplizierens von Ideen, indem sie an alle adressiert und zu Lebzeiten des Künstlers erschwinglich waren. Die Multiples sind Ausdruck seiner Idee der Demokratisierung von Kunst.

Die Ausstellungen stehen unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Bundeslandes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann 

Plakat Europawahldie Grünen, 1979, IdeeGestaltung Johannes Stüttgen unter Verwendung des Motivs Der Unbesiegbare von Joseph Beuys, Foto Oleg Kuchar © VG Bild-Kunst, Bonn 2021