Gesine Kikol © Christopher Simon

GESINE KIKOL, Düsseldorf, Bildende Künstlerin / Malerin

#coronawiegehts

Im ersten Lockdown (März - April 2020) fand ich die Entschleunigung in der Kunstwelt und das kollektive Innehalten wohltuend und dringend nötig. Ich habe die freie Zeit intensiv für meine künstlerische Arbeit genutzt und im Home Atelier 200 Zeichnungen von in der Natur stehenden isolierten Hütten aus der ganzen Welt gezeichnet.

Der zweite Lockdown (Winter 2020 - 2021) ist deutlich härter und erschöpfend und kräftezehrend und macht mich melancholisch. Ich vermisse vor allem menschliche Berührungen und Nähe, sowie die spontanen Treffen mit leichten, aber auch intensiven Gesprächen mit einem Glas Wein mit FreundInnen und KollegInnen auf einer Vernissage. Ich arbeite zwar weiterhin im Atelier, aber zeichne seit einiger Zeit nur noch tote Vögel.

Da ich Dozentin für Malerei an der Universität zu Köln bin, habe ich ein regelmäßiges Einkommen, das auch durch Corona nicht weggebrochen ist, weil wir innerhalb von kürzester Zeit die komplette Lehre in den digitalen Raum verlegt haben. Den persönliche Kontakt zu meinen Studierenden und die gemeinsame Arbeit im Malerei-Atelier kann man dadurch nicht wirklich ersetzen, aber es geht besser als zunächst gedacht.

#coronawaskommt

Die abgesagten Ausstellungen von 2020 und Anfang 2021 werden wohl alle geballt im Sommer oder Herbst 2021 stattfinden. Hoffentlich.

Sobald es möglich ist, werde ich wieder reisen. Ein Stipendium ermöglicht mir drei Reisen nach Litauen, Lettland und Estland, alles mir noch fremde Länder, die ich mit Fotokamera und Skizzenbuch erkunden möchte. Ich will die durch Corona verstärkte digitale Welle mit neuen Formaten im Kunstbetrieb nutzen und mit den KünstlerInnen in diesen Ländern hybride Ausstellungskonzepte entwickeln.

Wegen der isolierten Situation und dem Bedürfnis nach mehr Zusammenarbeit bin ich im Sommer 2020 in mehrere Künstlervereine eingetreten und wurde in den Vorstand des Frauenkulturbüros NRW gewählt. Hier möchte ich verstärkt das Netzwerken und Sichtbarmachen von Frauen in der Kunst und Kultur unterstützen.

#coronawasbrauchts

Vor allem die vielen kleinen Galerien, Ausstellungsräume, Produzentengalerien und nicht- kommerzielle Projekt-Räume müssen unterstützt werden, damit die Vielfalt der Positionen gewährt bleibt und nicht nur noch die grossen und Mega-Galerien für die Mega-KünstlerInnen übrig bleiben. Auch die frischen Kunstakademie-AbgängerInnen brauchen Möglichkeiten für erste Ausstellungen, performative Arbeiten und experimentelle Installationen.

Bei aller Digitalität und ihrer guten Seiten und Vorteilen, darf man aber das Analoge und die physische Präsenz von Kunstwerken und ihrer Aura nicht aus den Augen verlieren. Nichts kann die reale Begegnung eines Betrachters mit einem Werk ersetzen, die Sinnlichkeit der Kunst erlebt man nur im echten Kontakt.

Jetzt ist die Zeit für Kollaborationen, neue Formen der Zusammenarbeit, grössere Netzwerke, das Gründen von Kollektiven, sich gegenseitig unterstützen und solidarisch miteinander umgehen, gemeinsam Projekte planen, über Genres und Ländergrenzen hinaus.

Serie: Hütten aus aller Welt (200 Bilder), Tusche auf Papier, 30 x 21 cm, 2020 © Gesine Kikol
Toter Vogel, Aquarell und Tusche auf Papier, 42 x 30 cm, 2021 © Gesine Kikol